Installation und Ausstellungsprojekt von Marlen Melzow vom 30.04 - 21.05.2010

Anknüpfend an die Figur des Sozialisten und Anarchisten Johann Most fragt das Ausstellungsprojekt von Marlen Melzow danach, inwieweit Geschichte vermag, auf Gegenwart und Zukunft zu wirken. In den Jahren 1871-1874 lebte und arbeitete Johann Most als leidenschaftlicher Agitator in Chemnitz. Mit seinen Reden entfesselte er die Chemnitzer Arbeiterschaft und stiftete zu übermütigen politschen Aktionen an. Aber auch er selbst wurde entfesselt und entwickelte sich zu einem durch die Welt ziehenden Verfechter einer freien Gesellschaft. Kampfgeist, Übermut, Empörung, Hoffnung - die feurigen Reden des Johann Most schwirren zwischen den Gemäuern der Stadt. Das Projekt versucht diesen Geist, diesen Funken aufzugreifen, um die aktuellen Potentiale von Kunst und politischem Handeln zu entdecken.
Programm:
30. 4. 2010 | 19.00 Uhr
Ausstellungseröffnung mit Ricarda Bethke | Schriftstellerin
08. 5. 2010 | 20.00 Uhr
Eigentum (wenn es Falschgeld gibt, dann, weil so etwas wie echtes Gold existiert)
Wandelzeichnungen von Veronica Seidel - work in progress vom 8. 5. - 15. 5. 2010
Veronica Seidel lebt in Chemnitz und Köln. Studium der bildenden Künste an der eesati in Frankreich. Seit 2004 freischaffend. Ausgehend von der Zeichnung und Konzeptkunst, sind ihre heutigen Schwerpunkte Malerei und Klangskulptur.
15. 5. 2010 | 20.00 Uhr
… nur ganz da, wo er spielt
Performance von Martin Clausen | twofish
Der in Augsburg geborene und vorübergehende Wahlchemnitzer Johann Most war u.a. Politiker, Verleger, Redner und Aktivist.
Der Berliner Schauspieler Martin Clausen nimmt sich den Darsteller Most für eine improvisierte Hommage zum Ausgang. Er spielt sich von Moment zu Moment und versucht welche von ihnen zu treffen, in denen er ‘ganz da’ zu sein scheint oder sogar ist.
Johann Most, der unermüdliche Kämpfer gegen verkrustete Herrschaftsmodelle, hatte die Verweigerung zur Aufnahme zum Schauspielunterricht und einer Theaterlaufbahn vor einer Darstellung von Fremdmaterial bewahrt. Er konnte mit seinen eigenen Inhalten Performer seiner selbst werden. Erst am Ende seiner von Verhaftungen und Gefängnisaufenthalten geprägten Aktivisten-Laufbahn wandte er sich wieder dem Theater zu.
15. 5. 2010 | 20.45 Uhr
Under Cover
Das Ende der Kunst und der Beginn der Freiheit (Masken des Anderen im Diskurs der Moderne)
Kommentar mit Lichtbildern von Volkmar Billig | Kulturwissenschaftler
Der Kulturwissenschaftler Volkmar Billig geht aus Anlass der Ausstellung “most wanted” der Vermutung nach, dass der moderne Kunstbegriff und der politische Anarchismus durch dasselbe Idol eines archaisch wilden, libertinären Menschentypus angestiftet sind. Gleichzeitig betrachtet er das Wechselspiel von Ent- und Verhüllung, Offenbarung und Maskierung, das sowohl die künstlerischen als auch politischen “Befreiungsbewegungen” seit zwei Jahrhunderten begleitet.
Ausgangspunkt seines Streifzuges durch die Geschichte moderner Kunst- und Revolutionstheorie ist die Lektüre von Wilhelm Heinses 1787 erschienenem Roman “Ardinghello und die glückseligen Inseln” als unter dem Deckmantel der Literatur lanciertes Manifest eines anarchischen Ethos. Mit Blick auf die gleichzeitige Wiederentdeckung des Dionysos-Kultes und die seitdem anhaltende Faszination des antiken “Gottes mit der Maske” spannt der Vortrag einen Bogen von Bildern und Texten antiker Autoren über Motive der Renaissancemalerei und Denkfiguren von Schiller, Schelling, Hegel, Marx, Wagner, Nietzsche, Bakunin und Kropotkin bis hin zu Konzepten einer “dionysischen Arbeit” unter zeitgenössischen linken Theoretikern sowie Regisseuren und Kuratoren.
Volkmar Billig lebt und arbeitet als Ausstellungskurator und Publizist in Dresden und Chemnitz. Im März diesen Jahres erschien im Verlag Matthes&Seitz Berlin sein jüngstes Buch “Inseln. Geschichte einer Faszination”.
danach:
Gastmahl und Diskussion Für den Vortrag mit Gastmahl und Diskussion nehmen wir gerne Ihre Voranmeldung unter der Telefonnummer 0371/91 88 0 55 oder oscar@weltecho.eu
18. 5. 2010 | 20.00 Uhr
Anarchismus - Entwurf einer freien Gesellschaft Vortrag von Werner Abel | Politikwissenschaftler
Die entschlossenen Anhänger der Ordnung, mehr braucht es nicht, um die Welt in Trümmer zu stürzen. Nur einige alte Anarchisten suchen mit zitternden Köpfen unter den Ruinen nach ein paar Steinen, die zueinander passen. (György Dalos)
21. 5. 2010 | 20.00 Uhr
Johann Most: Proletarisches Liederbuch
Liedperformance von Paul Nagel | Geigerzähler
im Anschluss:
Sozialisten, Utopisten, Anarchisten
Gespräch mit Werner Abel | Politikwissenschaftler, Thomas Kuczynski | Wirtschaftswissenschaftler und Herausgeber einer neuen Studienausgabe von Marx‘ „Kapital“, Marlen Melzow | Künstlerin
Moderation: Frank Schale | TU Chemnitz
Workshop: Filmprojekt „most wanted“
In Zusammenarbeit mit der Filmwerkstatt Chemnitz werden Schüler einen Film über Johann Most herstellen. Leitung: Maeva Rodriguez
Die Ausstellung und das Programm entstand in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. | Regionalbüro Chemnitz
Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturbüro der Stadt Chemnitz, Richter & Heß Verpackungen | Chemnitz, Filmwerkstatt Chemnitz



